Wo Menschen wohnen, arbeiten, Handel treiben bzw. einkaufen oder Urlaub machen, dort entsteht Verkehr. Abgase, Lärm, Unfälle, krebserregende Russpartikel von Dieselfahrzeugen, Flächenversiegelung, die Zerstörung von Naturlandschaften durch Fernverkehrstraßen und Autobahnen und natürlich der Ausstoß von Unmengen klimaschädlicher Treibhausgas bringen eine Reihe negativer Folgen für Mensch und Natur mit sich. Sie schränken die Lebensqualität massiv ein, bedrohen die Gesundheit und verkürzen die Lebenserwartung eines jeden Einzelnen.
Allein 170 Mio. Tonnen klimaschädliches CO2 pustet der Verkehr jährlich in Deutschland in die Luft – für 100 Mio. Tonnen (fast 60% !!) davon sind Pkws verantwortlich. Darüber hinaus verursacht der Verkehr in Deutschland immens hohe volkswirtschaftliche Kosten für Bau, Ausbau und Erneuerung von Verkehrswegen. So entstehen durch den Straßenpersonenverkehr jährlich 47 Mrd. Euro und durch den Straßengüterverkehr rund 13 Mrd. Euro mehr Kosten, als der Staat durch Abgaben dieser Verkehrszweige einnimmt.
Insbesondere der Straßenverkehr hat in den letzten Jahrzehnten rasant zugelegt. Fast 55 Mio. Kraftfahrzeuge bevölkern derzeit Deutschlands Straßen – Mitte der 60er Jahre waren es nur 11 Mio. Moderne Autos sind oft größer, schwerer und leistungsstärker als ältere Modelle, so dass der Durchschnittsverbrauch von Pkws in den letzten Jahren kaum gesunken ist.
Hinzu kommt, dass eine jährliche Zuwachsrate des Luftverkehrs von ca. 5% eventuelle Einsparungen durch effiziente, neue Technologien größtenteils zunichte macht. Die Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs sind aufgrund der Reiseflughöhe besonders klimaschädlich (Ozonbildung, Kondensstreifen, Cirruswolken).
Der Bereich Mobilität macht 43 % der gesamten Umweltauswirkungen privater Haushalte aus und gehört damit klar zu den Hauptverursachern des Klimawandels. 14,4 % ihrer gesamten Konsumausgaben verwenden Verbraucher, um mobil zu sein und geben damit nach dem Bereich Wohnen am meisten Geld in diesem Bereich aus. Das bedeutet, wir geben mehr Geld dafür aus, mobil zu sein, als für unsere Ernährung!
Betrachtet man den Verkehrsaufwand nach dem Fahrtzweck, hat der Freizeitbereich mit rund 35% (2006) den deutlich höchsten Anteil, gefolgt von den Bereichen Beruf (17,7%) und Einkaufen (16,9%). Wenn man dazu bedenkt, dass die Bereiche Einkaufs- (+72,6%) und Urlaubsverkehr (+27,5%) in den letzten zehn Jahren die größten Zuwächse zu verzeichnen haben, wird die Bedeutung der im Themenblock Ernährung genannten Handlungsgrundsätze und Maßnahmenvorschläge deutlich.
Wenngleich Berlin mit 1,58 Tonnen verkehrsbedingter CO2-Emissionen pro Person und Jahr im bundesdeutschen Durchschnitt eher am untersten Ende der mobilitätsbedingten Klimasünder steht, war der Verkehr im Jahr 2007 immerhin für rund 25% der gesamten CO2-Emissionen in Berlin verantwortlich. Grund dafür ist hauptsächlich der Straßenverkehr und die damit einhergehende Verbrennung von Kraftstoffen. Dieser macht 15% der gesamten CO2-Emissionen in Berlin aus.
Dies macht deutlich: Es muss unverzüglich gehandelt werden, um dem Klimakiller (motorisierter) Verkehr Einhalt zu gebieten.
Die gute Nachricht ist: es geht auch anders – nämlich kostengünstiger, gesünder und vor allem klimafreundlicher!
Allein mit sparsamen Automodellen könnte der CO2-Ausstoß des gesamten Pkw-Sektors in Deutschland bis 2020 um 40% – das entspricht 40 Mio.Tonnen CO2 pro Jahr – reduziert werden. Aber um eine wirklich nachhaltige Entwicklung des Mobilitätssektors sicherzustellen, sollten wieder klare Vorfahrtsregeln und Handlungsgrundsätze beherzigt werden. Zunächst sollte die Mobilität im Vordergrund stehen und nicht der Verkehr. Die traditionelle Verkehrspolitik ist viel zu sehr auf eine Angebotsplanung fixiert, also auf die Schaffung immer neuer Angebote an Verkehrswegen und -mitteln, um den steigenden Verkehr zu bewältigen, anstatt mit neuen Konzepten das Verkehrsaufkommen zu reduzieren und umweltfreundlicher zu gestalten. Dies kann erreicht werden, wenn folgende Handlungsgrundsätze eingehalten werden:
1. Mobilität, zumal eine gesundheitsfreundliche, Ressourcen schonende und umweltfreundliche will organisiert werden!
Informationen über verschiedenen Verkehrsträger, deren Vernetzung, Verkehrswege und ihre Alternativen, Abschätzen von zeitlichem Aufwand zu weiteren positiven Effekten (frische Luft, Bewegung, Erholung etc.) sowie den Kosten sammeln und verschiedene Optionen prüfen.
2. Sich den Weg sparen!
Dem steht die Frage voraus, ob der beabsichtigte Weg wirklich zwingend erforderlich ist? Extrawege können aber auch zur Entspannung, zum Relaxen und zur Erholung beitragen, wenn sie umweltfreundlich organisiert sind! Durch ein entsprechendes Mobilitätsmanagement (Stadt der kurzen Wege) kann man sich viel Zeit, Geld und Stress sparen.
3. Wege aktiv und umweltfreundlich zurücklegen!
Die Fortbewegung mittels eigener Muskelkraft hat Vorrang. Das fördert die Gesundheit und erhöht die Lebensqualität.
4. Umweltfreundliche Antriebstechnologien nutzen!
Auch z.B. Strom ist nicht per se umweltfreundlich. Daher sind der Vergleich und die Art des Vergleichs verschiedener Fortbewegungsmittel wichtig.
5. Bestehende Verkehrssysteme effizienter nutzen!
Werden Verkehrsmittel besser miteinander vernetzt, kann viel Zeit und Geld gespart werden.
6. Notfalls klimaschädlich zurückgelegte Wege kompensieren!
Im Maßnahmenteil werden wir detailliert die Vielfalt an Möglichkeiten aufzeigen, wie diese Handlungsgrundsätze umgesetzt und so ohne Mobilitätseinbußen Tag für Tag klimaschädliche Emissionen vermieden werden können.