Klimablog

Ernährung

Soziale versus klimarelevante Kriterien beim Catering?

Danke für die vielen wertvollen Ratschläge, wie man die persönlichen Ernährungsgewohnheiten klimabewusster gestalten kann. Aber eine Frage haben wir noch nicht betrachtet: Welche Empfehlungen gibt es fürs Catering?

Die Veolia Stiftung fragt gern bei Förderprojekten aus dem gemeinnützigen Bereich an. Schließlich geht es hier in vielen Fällen um Arbeitsplätze für benachteiligte Menschen. Allerdings sind regionale und saisonale Angebote noch längst nicht selbstverständlich! Gar nicht so leicht, zwischen sozialen und klimarelevanten Aspekten abzuwägen! Wir setzen auf “immer wieder nachfragen”, aber es wäre schön, dem Umdenkprozess auch in dieser Branche ein wenig Schwung verleihen zu können …

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Hat die Ernährung großen Einfluss auf das Klima? Oh ja!

Der Durchschnittsdeutsche produziert nach dem inhaltlich vom IFEU entwickelten Online-CO2-Rechner „uba.klima-aktiv.de“ (Quelle: Umweltbundesamt) für seine Ernährung 1,55 t CO2 pro Jahr. Geschlecht, Alter, Gewicht, Arbeits- und Sporttätigkeiten gehen genauso in die Bilanz ein, wie Ernährungsform, Kauf von saisonalen, regionalen, ökologischen und tiefgekühlten Produkten.

Inwieweit die Ernährungsgewohnheiten die eigene CO2-Bilanz beeinflussen, soll an zwei Extrembeispielen gezeigt werden: Mann A und Mann B sind 18-29 Jahre alt, wiegen 70 kg, machen etwas Sport und kommen einer bewegungsarmen Tätigkeit nach. Mann A ernährt sich vor allem vegetarisch, kauft ausschließlich regionale und saisonale Ökoprodukte und verzichtet auf Tiefkühlware. Mann B ernährt sich fleischbetont, nimmt keine Rücksicht auf Saison-, Region- oder Bioprodukte und kauft ausschließlich Tiefkühlerzeugnisse. Während Mann A 1,15 t CO2 ausstößt, verbraucht Mann B 2,51 t CO2 jährlich und damit mehr als doppelt so viel wie Mann A.

Folglich gilt: Achtet man auf das Angebot innerhalb einer Saison, schafft man es gleichzeitig, frische Bioprodukte von regionalen Bauern (z.B. Wochenmarkt) zu erwerben, und erzielt man eine fleischreduzierte Ernährung, ist es möglich seinen CO2-Ausstoß zu verringern.

Doch auch eine sehr CO2-bewusste Ernährung ändert an der persönlichen Gesamtbilanz wenig, wenn weiterhin mit dem Auto zum Super- oder Wochenmarkt gefahren wird. Es zählt vor allem das Verhalten und die Einstellung zum Energiesparen insgesamt. Energiebewusstes Kochen, effiziente Haushaltsgeräte oder die Entscheidung, mit dem Fahrrad zum Bäcker zu fahren, sind notwendig und helfen zusätzlich die eigene CO2-Bilanz zu verbessern.

Chantal Licht, Lothar Eisenmann

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Empfehlungen rund um Ernährung

In den Handlungsgrundsätzen haben wir bereits die Grundregeln einer nachhaltigen und klimafreundlichen Ernährung definiert. Diese vereinbart eine Böden schonende Wirtschaftsweise mit Artenschutz auf dem Acker, eine artgerechte Tierhaltung, geschlossene Stoffkreisläufe, die Erzeugung hochwertiger Produkte, den Verzicht auf chemische Substanzen und Gentechnik, regionale Wertschöpfungsketten und faire Preise bei transparenten Erzeugungs- und Weiterverarbeitungsbedingungen.

Zur klimafreundlichen Ernährung gehört der Einkauf genauso wie die Ressourcen und Energie sparende Zubereitung. Nur wenn es gelingt, die Kriterien miteinander zu verknüpfen, kann die Bilanz letztlich positiv ausfallen. Daher gilt:

1. Bio vor konventionell
2. Regional vor national vor global
3. Saisonal (freier Himmel) vor Glashaus oder Folie
4. Biodivers vor homogen
5. Frisch vor fertig
6. Pflanzlich vor tierisch
7. Klimafreundlich einkaufen und kochen
8. Unverpackt vor Plastikwahn
• Wählen Sie Produkte der biologischen Anbauverbände, gern mit dem EU-Biosiegel
• Wählen Sie Produkte (und Handel), die saisonal zur Verfügung stehen und regional erzeugt wurden (saisonale und regionale Produkte anbieten)
• Kaufen Sie Arten- und Geschmacksvielfalt ein durch die Wahl alter Sorten
• Wählen Sie frische Produkte aus der Biokiste oder vom Markt
• Essen Sie überwiegend pflanzliche Kost und begrenzen Sie den Fleischkonsum
• Kaufen Sie zu Fuß oder mit dem Rad ein
• Kochen Sie Vitamin und Mineralstoff schonend und Energie sparend
• Vermeiden Sie unnötiges Verpackungsaufkommen durch die Wahl Ihrer Einkaufsstellen bzw. durch entsprechende Transportbehältnisse („Tupperware“) und lassen Sie Verpackungen im Geschäft

Zu jedem der genannten Punkte finden Sie hier: Ernährung_Maßnahmen_BUND.

Das Thema Catering folgt im Teil Veranstaltungen im September.

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Handlungsgrundsätze Ernährung

Unsere Ernährungsweise und die Landwirtschaft gehören zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Allein etwa 20 Prozent der Treibhausgase entstehen durch die Art und Weise der Landwirtschaft und unsere Essgewohnheiten. Hauptursachen sind die Massentierhaltung, die Futtermittelproduktion, der Einsatz von Pestiziden (gegen „Schädlinge“), Herbiziden (gegen „Unkraut“) und Fungiziden (gegen Pilze), der Einsatz synthetischer (Stickstoff)Düngemittel sowie die Transportwege.

Von der Aussaat der Pflanzen oder Aufzucht der Tiere, über die Verarbeitung, die Transportwege und Lagerphasen hin zur Nutzung durch den Endverbraucher und der anschließenden Entsorgung der Speise- und Verpackungsreste: jede dieser Phasen verbraucht Energie und Ressourcen. Heizen, Kühlen, Spülen sowie die Wege zur Beschaffung tun ihr Übriges.

Die Ernährung hat am jährlichen CO2-Ausstoss eines durchschnittlichen Deutschen von 10,88 Tonnen einen Anteil von 1,65 Tonnen (Quelle:LFU Bayern). Weltweit gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass wir unseren CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr für Konsum, Ernährung, Mobilität, Strom und Wärme und staatlichen Dienstleistungen aber insgesamt auf bis zu 1,5 Tonnen reduzieren müssen! Also weniger, als allein unsere Ernährungsweise bereits erzeugt.

Einer der Hauptgründe ist dieser: wir geben nur zwölf Prozent (ohne Tabak & Alkohol) unserer monatlichen Einkünfte für Essen aus! Das ist europaweit unterirdisch. Fazit: unsere Ernährungsweise ist billig, geschmacksneutral, klimafeindlich und zerstört unsere natürlichen Lebensgrundlagen! Statt bäuerlicher Landwirtschaft bestimmt die Agrarindustrie den Markt, statt natürlicher Landschaft überwiegen Agrarsteppen, statt Artenvielfalt herrscht Artenschwund, statt gesunder Nahrungsmittel krankmachende Verführungsmittel.

Noch immer fließen 60 Prozent des gesamten EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Doch erhalten 20 Prozent der Agrar- und Lebensmittelindustrie 80 Prozent der Subventionen (Quelle: www.agrar-fischerei-zahlungen.de). Das Ergebnis sind Fleisch- und Futtermittelskandale, chemische Ersatzstoffe wie Analogkäse die Krebs verursachen können und eine immer stärkere Verwüstung der Böden für höhere Erträge und Profite, die zur Beschleunigung des Klimawandels beitragen.

Unsere Nahrungserzeugung und unser Konsumverhalten müssen sich drastisch verändern. Ein strategischer Konsum muss Vorrang haben vor dem Einkaufen über den Preis. Essen muss mehr wert sein! Mit einem höheren Preis müssen ökologische und soziale Standards in der Erzeugung, Verarbeitung und Lieferung erfüllt, Wertschöpfungsketten unterstützt und natürliche Kreisläufe eingehalten werden.

Doch Ernährung beginnt nicht erst mit der Gabel, die zum Munde geführt wird. Entscheidend ist, sich bereits im Vorfeld Gedanken zu machen über
• die Herkunft (Erzeugung, Verarbeitung, Lieferung) und Verfügbarkeit (Region und Saison) von Lebensmitteln,
• die Händler (Prinzipien) und das Angebot (Sortiment und Jahreszeit),
• die Art und Weise der Beschaffung (Mobilitäts- und Einkaufsverhalten),
• die Art und Weise der Zubereitung (klimafreundlich Kochen) und
• die Verwendung von Speiseresten und Verpackungen (Ressourcen schonen und wieder nutzen).

Statt einer beherrschenden konventionellen Agrar- und Lebensmittelindustrie bedarf es einer klimafreundlichen, aber auch für Natur und Umwelt insgesamt nachhaltigeren Ernährung, die Artenschutz auf dem Acker, artgerechte Tierhaltung im Stall und auf der Weide, qualitativ hochwertigen Geschmack und Genuss, eine die Gesundheit fördernde und gentechnikfreie Erzeugungsweise, regionale Wertschöpfungsketten fördernde, zu fairen Preisen und für den Konsumenten transparente Bedingungen schafft.

Dies kann nur gelingen wenn es klare Vorfahrtsregeln gibt und die folgenden Handlungsgrundsätze eingehalten werden (mit Filmtipps):
1. Bio vor konventionell.
Vorsicht: Bio ist nicht gleich Bio! Durchblick im Siegelwald bewahren.

2. Regional vor national vor global
Ohne Nationalismus und Dogmatismus „Deutsche, esst deutsche Bananen“, aber mit Umsicht „Bio-Tomaten im Januar aus Spanien?“! Mehr Infos hier.

3. Saisonal (freier Himmel) vor Glashaus oder Folie
Wann esse ich was und wo(runter) ist es gewachsen? Mehr Infos hier.

4. Frisch vor fertig
Was, bitte schön, heißt hier frisch? Mehr Infos hier.

5. Pflanzlich vor tierisch
Weniger ist mehr? Mehr Pflanzen ist mehr! Infos hier (→ Nahrung für die Welt).

6. Unverpackt vor Plastikwahn
Kein Plastik mitessen!? Mehr Infos hier.

Im Maßnahmenteil werden wir detailliert auf die einzelnen Aspekte eingehen und konkrete Umsetzungsvorschläge machen, wie eine klimafreundliche und Umwelt und Natur schonenden Ernährung bereits heute möglich ist.
Weitere Informationen zum Umbau der Landwirtschaft hier.

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Gesund und klimafreundlich …

Kurz wurde das Thema Ernährung unter Beschaffung schon angesprochen: Für Caterings fragen wir stets regionale und vorwiegend vegetarische Speisen sowie wiederverwendbares Geschirr an. Allerdings setzen nur wenige Anbieter explizit auf regionale oder gar klimafbewusste Angebote. Also ist unsere Devise: immer wieder nachfragen und Kompromisse finden.

Wenn möglich servieren wir unseren Gästen Trinkwasser aus der Leitung. Das ist klimafreundlich, weil es Energie spart, keine langen Wege und keine Verpackung braucht. Wirtschaftlich, weil es nur ein Hundertstel von Flaschenwasser kostet. Und wertvoll, weil es höchsten Qualitätsstandards entspricht und gesund ist. Gestern Abend bei der Auftaktveranstaltung der „Berliner Stadtgespräche Wasser“ erläuterte Jörg Simon von den Berliner Wasserbetrieben, dass die Entscheidung zwischen Trinkwasser aus der Leitung und Mineralwasser in Flaschen tatsächlich klimarelevant ist. Würden alle Berlinerinnen und Berliner auf Trinkwasser aus der Leitung statt aus der Flasche setzen, würde damit die Emission von 100 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden!

Was die eigene Ernährung betrifft, entfaltet die persönliche Begegnung mit vielen Umweltbildungsprojekten seine Wirkung: Das kleine Stiftungsteam hat eine Vorliebe für gesunde und fleischarme Kost. Beliebtestes Mittagsziel ist die Suppenbörse. Im Büro werden Wasser (aus der Leitung), Tee und Kaffee getrunken. Nicht ohne uns gegenseitig und die Kollegen von Veolia Wasser hin und wieder daran zu erinnern, wie hoch der Verbrauch an Wasser bei der Kaffeeproduktion in oft wasserarmen Ländern ist …

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