Klimablog

Klimaneutralität

Klimaneutral – geht das überhaupt?

Zahlreiche Lebensmittel, Produkte, Reisen bis hin zu Industriebetrieben und ganzen Kommunen bezeichnen sich heute als „klimaneutral“. Der gängigen Definition nach ist das durchaus möglich: Zuerst wird darauf geachtet, möglichst wenig CO2 bei Produktion, Nutzung und Entsorgung zu erzeugen und im nächsten Schritt werden die restlichen Emissionen an geeigneter Stelle kompensiert. Dies kann durch Aufforstung von Wäldern, die CO2 binden, oder durch Unterstützung von Projekten geschehen, die CO2 einsparen.

Was für den einzelnen Emittenten auf den ersten Blick schlüssig ist, wird aber in der Gesamtbetrachtung problematisch: Kann es Inseln der Klimaneutralität geben, wenn weltweit Jahr für Jahr größere Mengen an Kohlendioxid emittiert werden und der CO2-Gehalt der Atmosphäre ständig steigt?

Die oben beschriebene „Klimaneutralität“ kann es nur für eine geringe Anzahl von Akteuren geben. Ein „klimaneutrales“ Deutschland wäre aber durch Kompensation kaum noch zu realisieren, geschweige denn ein „klimaneutrales“ Europa. Und wie sähe eine „klimaneutrale“ Erde aus? Davon könnte eigentlich nur bei geschlossenem Kohlenstoffkreislauf die Rede sein, bei dem die atmosphärische Konzentration an Treibhausgasen konstant bleibt. Fossile Energieträger, also Erdgas für die Heizung, Benzin für das Auto, Kerosin für das Flugzeug,  Kohle für den Strom und Erdöl für Produkte, könnten dann nicht mehr genutzt werden. An ihre Stelle müssten vollständig erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind und Wasser treten. Oder wir müssten das Kohlendioxid dauerhaft wegsperren in unterirdischen Speichern.

Und auch im Kleinen wäre eine solche Klimaneutralität ihren Namen wert, bei der erst gar keine Treibhausgase entstehen. Dazu reichen aber ein paar Solarzellen auf dem Dach und ein Ausgleich für Flüge und Autofahrten nicht aus. Sonst kommt es leicht zu Auswüchsen wie “Klimaneutral Kampfjet fliegen”. Trotz inhaltlicher Konsistenz wird dabei aber zusätzliches CO2 freigesetzt. Vorsicht also mit dem Begriff „klimaneutral“.
Sinnvoller wäre eine noch größere Konzentration auf der Vermeidung direkter CO2-Emissionen. Deshalb wird dies der Schwerpunkt der Klimaoffensive der Veolia-Stiftung sein. Warum eine CO2-Kompensation aber auch positive Seiten besitzt und welche Randbedingungen dabei zu beachten sind, wird im Rahmen dieses Blogs noch zur Sprache kommen. Klimaneutral wird die Veolia Stiftung dadurch nicht werden – aber klimafreundlicher.

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Die Mär von Klimaneutralität

Reisende machen es, der BUND macht es und nun macht es auch die erste Stiftung.

Ob für Flugreisen, Übernachtungen, Druckerzeugnisse, Postpakete oder gleich für ganze Veranstaltungen: immer mehr Menschen, Vereine, Organisationen, Verbände, Unternehmen und sogar Städte streben an, die von ihnen verursachten CO2-Emissionen an anderer Stelle zu kompensieren und damit klimaneutral zu werden.

Doch reicht das allein aus?

Um die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen müssen nach Stand der internationalen Wissenschaft mindestens 95 Prozent der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 vermieden werden. Der Vermeidung von CO2 gehört daher die oberste Priorität!

Dazu ist es erforderlich, menschliches Handeln und Verhalten auf ihre Klimawirksamkeit hin zu überprüfen. Die Beschaffung von Produkte und Dienstleistungen, das Mobilitätsverhalten, der Bezug von Strom und Wärme, die Organisation von Veranstaltungen, die Durchführung von Projekten, die Kommunikation mit Hilfe dieses Blogs und vieles mehr müssen so gestaltet werden, das CO2 von vornherein vermieden wird. Wo dies nicht möglich ist, sind in einem zweiten Schritt Strategien zur Reduzierung von CO2 zu entwickeln. Und erst wo Vermeidung und Reduzierung (derzeit noch) nicht oder nur begrenzt möglich sind, müssen entstandene CO2-Emissionen mit Hilfe international anerkannter Standards kompensiert werden.

Klimaneutralität durch Kompensation ist also nicht nur die letzte der Möglichkeiten nach CO2-Vermeidung und -Reduktion, sondern auch noch eine sehr begrenzte. Weiter machen wie bisher und stattdessen auf Ausgleichsmaßnahmen zu setzen, kann nicht die Lösung sein.

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Erste Erkenntnisse – klimaneutral versus klimabewusst

Schon die ersten Gespräche mit Fachleuten bringen einen Erkenntnisgewinn: Der ursprüngliche Arbeitstitel der Initiative „Veolia Stiftung wird klimaneutral“ wird hinterfragt. Denn der Begriff „klimaneutral“ wird derzeit kritisch diskutiert. Der scheinbar einfachste Weg: Man ermittelt seine Emissionen und zahlt bei einem anerkannten Mittler (z.B. www.myclimate.org, www.climatepartner.de) einen Ausgleichsbetrag, mit dem Klimaschutzprojekte, die Emissionen einsparen, weltweit finanziert werden. Der schwierigere, aber sinnvollere Weg: Kennt man die eigenen Emissionsquellen, so analysiert man mögliche Einsparpotentiale und verändert die Prozesse im Interesse niedrigerer Emissionen. Das ist natürlich ein wesentlicher Unterschied! Denn gerade darauf kommt es uns ja an: Genau hinzusehen, woher die Emissionen kommen und Dinge klimabewusst anders zu organisieren, um Emissionen erstens zu vermeiden, zweitens zu reduzieren und nur ggf. wo nicht anders möglich zu kompensieren. Also nennen wir die Initiative besser „Klimaoffensive“.

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