Klimablog

Tag: Ernährung

Handlungsgrundsätze für umweltfreundliche Veranstaltungen

Jahr für Jahr ziehen Großveranstaltungen wie Sport- oder Musikevents Millionen von Fans und Zuschauern an, aber auch auf Konferenzen, Tagungen usw. kommen viele Menschen an einem Ort zusammen, um etwas gemeinsam zu erleben, zu erlernen oder sich zu informieren. Wie wertvoll der Anlass dieser Zusammenkünfte auch sein mag, so gibt es auch bei Veranstaltungen eine Kehrseite der Medaille: ein hohes Verkehrsaufkommen, große Abfallmengen, ein enormer Bedarf an Wasser, Energie und anderen Ressourcen sowie Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen – die Liste möglicher schädlicher Umweltauswirkungen von Veranstaltungen ist lang.

Weltweit nehmen jährlich mehr als 80 Millionen Menschen an Meetings oder Konferenzen teil. Weitaus mehr sind es, wenn man die Besucher von Show-Events oder Ausstellungen mit einrechnen würde. Deutschland wird europaweit als die beste Veranstaltungsdestination angesehen und liegt auch weltweit auf Platz zwei hinter den USA. Über 6.000 Tagungs- und Veranstaltungsstätten hat Deutschland zu bieten, in denen 2,76 Millionen Veranstaltungen mit 318 Millionen Teilnehmern stattfinden – das entspricht nahezu dem Vierfachen der Einwohnerzahl Deutschlands.

Diese Zahlen vermitteln einen Eindruck von der Dimension der Umweltauswirkungen von Veranstaltungen und erklären gleichzeitig, warum insbesondere vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels die Veranstaltungsbranche zunehmend vor Herausforderungen steht. Immer öfter wird der Ruf nach umwelt- oder klimafreundlichen Veranstaltungen laut.

Die gute Nachricht daher: es geht auch anders! Nämlich umweltfreundlicher und mitunter auch kostengünstiger bei gleichzeitigem Gewinn an Qualität und Komfort der Veranstaltung. Wichtig ist dafür allerdings, frühzeitig entsprechende Kriterien zu berücksichtigen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Veranstaltung möglichst klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten. Das bedeutet, dass nicht erst am Veranstaltungstag selbst Kriterien berücksichtigt werden, sondern bereits bei der Planung und Kommunikation der Veranstaltung.

Dies ist besonders aufgrund der Tatsache wichtig, dass man bei der Organisation von Konferenzen und Veranstaltungen oft unter Zeitdruck steht. Es sind plötzlich viele Dinge auf einmal zu tun: Papiere organisieren, Hotellisten zusammenstellen, Verhandlungen mit Lieferanten führen usw., so dass Umweltaspekte schnell ins Hintertreffen geraten.

Veranstaltungen stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, all unsere guten Handlungsgrundsätze und Maßnahmenvorschläge der bereits behandelten Themengebiete anzuwenden! Denn bei der Organisation und Durchführung einer Veranstaltung spielen Mobilität (An- und Abreise der Teilnehmer), Ernährung (Catering) und die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen ebenso eine Rolle wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie , Wasser , anderen Ressourcen und Abfällen (folgt im Monat Oktober).

Nachfolgend nennen wir Handlungsgrundsätze, deren Einhaltung klimafreundliche, nachhaltige Veranstaltungen ermöglicht:

1. Veranstaltungen klimafreundlich planen!
2. Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit kommunizieren!
3. Verkehrsgünstig gelegene und zertifizierte Veranstaltungsorte wählen!
4. Energie einsparen, reduzieren und Ökostrom verwenden!
5. Grundsätze grüner Beschaffung beachten!
6. „Bio“ und „Fair Trade“ verlangen und Grundsätze klimafreundlicher Ernährung beachten!
7. Abfall vermeiden, reduzieren und ökologische Verpackungen nutzen!
8. Wasser schonen und einsparen!
9. Unvermeidbare Emissionen kompensieren!

Der Maßnahmenteil liefert detaillierte Vorschläge, wie diese Handlungsgrundsätze im Einzelnen praktisch umgesetzt werden können.

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Die Stiftung als Veranstalter


Zwei Mal im Jahr organisiert die Veolia Stiftung sogenannte Projekt-Foren, bei denen wir neuen Förderprojekten ihre Schecks übergeben. Am 29. April 2010 sah das im MACHmit! Museum für Kinder in Berlin zum Beispiel so aus, wie auf dem obigen Foto. Wir haben meist rund 60 bis 80 Gäste. Nach der Scheckübergabe, bei der die Projektvertreter ihre Initiativen kurz vorstellen, gibt es einen kleinen Umtrunk und Gespräche.

Rund um solche und andere Veranstaltungen gibt es eine Reihe klimarelevanter Faktoren:

Nehmen die zum Beispiel die Einladungen. Zu unseren Projekt-Foren laden wir seit etwa einem Jahr auschließlich per Mail ein. Aber zu einer besonderen Veranstaltung wie dem 10-jährigen Stiftungsjubiläum Ende September gibt es dann doch eine gedruckte Einladung, natürlich auf Recyclingpapier. Auch der Versand der Einladungen ist klimarelevant: Seit dem Frühjahr 2010 versendet Veolia sämtliche Post mit GoGreen, kompenisert also die entstehenden Emissionen.

Wir organisieren die Veranstaltungen meist in den Räumen von Förderprojekten. Bei der Auswahl des Standorts achten wir auch darauf, dass er gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

Zur technischen Unterstützung brauchen wir bei den Projekt-Foren meist lediglich ein Mikro und im Winter natürlich Licht – der zusätzliche Stromverbrauch ist also überschaubar.

In den Diskussionen zu den Themen Beschaffung und Ernährung habe ich schon berichtet, dass wir gern auf regionale und saisonale Kost setzen. Allerdings ist diese gerade bei gemeinnützigen Partnern, die wir für Caterings anfragen, noch nicht so leicht zu finden.

Nun bin ich gespannt auf die Analyse der Experten …

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Soziale versus klimarelevante Kriterien beim Catering?

Danke für die vielen wertvollen Ratschläge, wie man die persönlichen Ernährungsgewohnheiten klimabewusster gestalten kann. Aber eine Frage haben wir noch nicht betrachtet: Welche Empfehlungen gibt es fürs Catering?

Die Veolia Stiftung fragt gern bei Förderprojekten aus dem gemeinnützigen Bereich an. Schließlich geht es hier in vielen Fällen um Arbeitsplätze für benachteiligte Menschen. Allerdings sind regionale und saisonale Angebote noch längst nicht selbstverständlich! Gar nicht so leicht, zwischen sozialen und klimarelevanten Aspekten abzuwägen! Wir setzen auf “immer wieder nachfragen”, aber es wäre schön, dem Umdenkprozess auch in dieser Branche ein wenig Schwung verleihen zu können …

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Hat die Ernährung großen Einfluss auf das Klima? Oh ja!

Der Durchschnittsdeutsche produziert nach dem inhaltlich vom IFEU entwickelten Online-CO2-Rechner „uba.klima-aktiv.de“ (Quelle: Umweltbundesamt) für seine Ernährung 1,55 t CO2 pro Jahr. Geschlecht, Alter, Gewicht, Arbeits- und Sporttätigkeiten gehen genauso in die Bilanz ein, wie Ernährungsform, Kauf von saisonalen, regionalen, ökologischen und tiefgekühlten Produkten.

Inwieweit die Ernährungsgewohnheiten die eigene CO2-Bilanz beeinflussen, soll an zwei Extrembeispielen gezeigt werden: Mann A und Mann B sind 18-29 Jahre alt, wiegen 70 kg, machen etwas Sport und kommen einer bewegungsarmen Tätigkeit nach. Mann A ernährt sich vor allem vegetarisch, kauft ausschließlich regionale und saisonale Ökoprodukte und verzichtet auf Tiefkühlware. Mann B ernährt sich fleischbetont, nimmt keine Rücksicht auf Saison-, Region- oder Bioprodukte und kauft ausschließlich Tiefkühlerzeugnisse. Während Mann A 1,15 t CO2 ausstößt, verbraucht Mann B 2,51 t CO2 jährlich und damit mehr als doppelt so viel wie Mann A.

Folglich gilt: Achtet man auf das Angebot innerhalb einer Saison, schafft man es gleichzeitig, frische Bioprodukte von regionalen Bauern (z.B. Wochenmarkt) zu erwerben, und erzielt man eine fleischreduzierte Ernährung, ist es möglich seinen CO2-Ausstoß zu verringern.

Doch auch eine sehr CO2-bewusste Ernährung ändert an der persönlichen Gesamtbilanz wenig, wenn weiterhin mit dem Auto zum Super- oder Wochenmarkt gefahren wird. Es zählt vor allem das Verhalten und die Einstellung zum Energiesparen insgesamt. Energiebewusstes Kochen, effiziente Haushaltsgeräte oder die Entscheidung, mit dem Fahrrad zum Bäcker zu fahren, sind notwendig und helfen zusätzlich die eigene CO2-Bilanz zu verbessern.

Chantal Licht, Lothar Eisenmann

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Handlungsgrundsätze Ernährung

Unsere Ernährungsweise und die Landwirtschaft gehören zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Allein etwa 20 Prozent der Treibhausgase entstehen durch die Art und Weise der Landwirtschaft und unsere Essgewohnheiten. Hauptursachen sind die Massentierhaltung, die Futtermittelproduktion, der Einsatz von Pestiziden (gegen „Schädlinge“), Herbiziden (gegen „Unkraut“) und Fungiziden (gegen Pilze), der Einsatz synthetischer (Stickstoff)Düngemittel sowie die Transportwege.

Von der Aussaat der Pflanzen oder Aufzucht der Tiere, über die Verarbeitung, die Transportwege und Lagerphasen hin zur Nutzung durch den Endverbraucher und der anschließenden Entsorgung der Speise- und Verpackungsreste: jede dieser Phasen verbraucht Energie und Ressourcen. Heizen, Kühlen, Spülen sowie die Wege zur Beschaffung tun ihr Übriges.

Die Ernährung hat am jährlichen CO2-Ausstoss eines durchschnittlichen Deutschen von 10,88 Tonnen einen Anteil von 1,65 Tonnen (Quelle:LFU Bayern). Weltweit gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass wir unseren CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr für Konsum, Ernährung, Mobilität, Strom und Wärme und staatlichen Dienstleistungen aber insgesamt auf bis zu 1,5 Tonnen reduzieren müssen! Also weniger, als allein unsere Ernährungsweise bereits erzeugt.

Einer der Hauptgründe ist dieser: wir geben nur zwölf Prozent (ohne Tabak & Alkohol) unserer monatlichen Einkünfte für Essen aus! Das ist europaweit unterirdisch. Fazit: unsere Ernährungsweise ist billig, geschmacksneutral, klimafeindlich und zerstört unsere natürlichen Lebensgrundlagen! Statt bäuerlicher Landwirtschaft bestimmt die Agrarindustrie den Markt, statt natürlicher Landschaft überwiegen Agrarsteppen, statt Artenvielfalt herrscht Artenschwund, statt gesunder Nahrungsmittel krankmachende Verführungsmittel.

Noch immer fließen 60 Prozent des gesamten EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Doch erhalten 20 Prozent der Agrar- und Lebensmittelindustrie 80 Prozent der Subventionen (Quelle: www.agrar-fischerei-zahlungen.de). Das Ergebnis sind Fleisch- und Futtermittelskandale, chemische Ersatzstoffe wie Analogkäse die Krebs verursachen können und eine immer stärkere Verwüstung der Böden für höhere Erträge und Profite, die zur Beschleunigung des Klimawandels beitragen.

Unsere Nahrungserzeugung und unser Konsumverhalten müssen sich drastisch verändern. Ein strategischer Konsum muss Vorrang haben vor dem Einkaufen über den Preis. Essen muss mehr wert sein! Mit einem höheren Preis müssen ökologische und soziale Standards in der Erzeugung, Verarbeitung und Lieferung erfüllt, Wertschöpfungsketten unterstützt und natürliche Kreisläufe eingehalten werden.

Doch Ernährung beginnt nicht erst mit der Gabel, die zum Munde geführt wird. Entscheidend ist, sich bereits im Vorfeld Gedanken zu machen über
• die Herkunft (Erzeugung, Verarbeitung, Lieferung) und Verfügbarkeit (Region und Saison) von Lebensmitteln,
• die Händler (Prinzipien) und das Angebot (Sortiment und Jahreszeit),
• die Art und Weise der Beschaffung (Mobilitäts- und Einkaufsverhalten),
• die Art und Weise der Zubereitung (klimafreundlich Kochen) und
• die Verwendung von Speiseresten und Verpackungen (Ressourcen schonen und wieder nutzen).

Statt einer beherrschenden konventionellen Agrar- und Lebensmittelindustrie bedarf es einer klimafreundlichen, aber auch für Natur und Umwelt insgesamt nachhaltigeren Ernährung, die Artenschutz auf dem Acker, artgerechte Tierhaltung im Stall und auf der Weide, qualitativ hochwertigen Geschmack und Genuss, eine die Gesundheit fördernde und gentechnikfreie Erzeugungsweise, regionale Wertschöpfungsketten fördernde, zu fairen Preisen und für den Konsumenten transparente Bedingungen schafft.

Dies kann nur gelingen wenn es klare Vorfahrtsregeln gibt und die folgenden Handlungsgrundsätze eingehalten werden (mit Filmtipps):
1. Bio vor konventionell.
Vorsicht: Bio ist nicht gleich Bio! Durchblick im Siegelwald bewahren.

2. Regional vor national vor global
Ohne Nationalismus und Dogmatismus „Deutsche, esst deutsche Bananen“, aber mit Umsicht „Bio-Tomaten im Januar aus Spanien?“! Mehr Infos hier.

3. Saisonal (freier Himmel) vor Glashaus oder Folie
Wann esse ich was und wo(runter) ist es gewachsen? Mehr Infos hier.

4. Frisch vor fertig
Was, bitte schön, heißt hier frisch? Mehr Infos hier.

5. Pflanzlich vor tierisch
Weniger ist mehr? Mehr Pflanzen ist mehr! Infos hier (→ Nahrung für die Welt).

6. Unverpackt vor Plastikwahn
Kein Plastik mitessen!? Mehr Infos hier.

Im Maßnahmenteil werden wir detailliert auf die einzelnen Aspekte eingehen und konkrete Umsetzungsvorschläge machen, wie eine klimafreundliche und Umwelt und Natur schonenden Ernährung bereits heute möglich ist.
Weitere Informationen zum Umbau der Landwirtschaft hier.

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