Klimablog

Tag: Konsum

Handlungsgrundsätze Ernährung

Unsere Ernährungsweise und die Landwirtschaft gehören zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Allein etwa 20 Prozent der Treibhausgase entstehen durch die Art und Weise der Landwirtschaft und unsere Essgewohnheiten. Hauptursachen sind die Massentierhaltung, die Futtermittelproduktion, der Einsatz von Pestiziden (gegen „Schädlinge“), Herbiziden (gegen „Unkraut“) und Fungiziden (gegen Pilze), der Einsatz synthetischer (Stickstoff)Düngemittel sowie die Transportwege.

Von der Aussaat der Pflanzen oder Aufzucht der Tiere, über die Verarbeitung, die Transportwege und Lagerphasen hin zur Nutzung durch den Endverbraucher und der anschließenden Entsorgung der Speise- und Verpackungsreste: jede dieser Phasen verbraucht Energie und Ressourcen. Heizen, Kühlen, Spülen sowie die Wege zur Beschaffung tun ihr Übriges.

Die Ernährung hat am jährlichen CO2-Ausstoss eines durchschnittlichen Deutschen von 10,88 Tonnen einen Anteil von 1,65 Tonnen (Quelle:LFU Bayern). Weltweit gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass wir unseren CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr für Konsum, Ernährung, Mobilität, Strom und Wärme und staatlichen Dienstleistungen aber insgesamt auf bis zu 1,5 Tonnen reduzieren müssen! Also weniger, als allein unsere Ernährungsweise bereits erzeugt.

Einer der Hauptgründe ist dieser: wir geben nur zwölf Prozent (ohne Tabak & Alkohol) unserer monatlichen Einkünfte für Essen aus! Das ist europaweit unterirdisch. Fazit: unsere Ernährungsweise ist billig, geschmacksneutral, klimafeindlich und zerstört unsere natürlichen Lebensgrundlagen! Statt bäuerlicher Landwirtschaft bestimmt die Agrarindustrie den Markt, statt natürlicher Landschaft überwiegen Agrarsteppen, statt Artenvielfalt herrscht Artenschwund, statt gesunder Nahrungsmittel krankmachende Verführungsmittel.

Noch immer fließen 60 Prozent des gesamten EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Doch erhalten 20 Prozent der Agrar- und Lebensmittelindustrie 80 Prozent der Subventionen (Quelle: www.agrar-fischerei-zahlungen.de). Das Ergebnis sind Fleisch- und Futtermittelskandale, chemische Ersatzstoffe wie Analogkäse die Krebs verursachen können und eine immer stärkere Verwüstung der Böden für höhere Erträge und Profite, die zur Beschleunigung des Klimawandels beitragen.

Unsere Nahrungserzeugung und unser Konsumverhalten müssen sich drastisch verändern. Ein strategischer Konsum muss Vorrang haben vor dem Einkaufen über den Preis. Essen muss mehr wert sein! Mit einem höheren Preis müssen ökologische und soziale Standards in der Erzeugung, Verarbeitung und Lieferung erfüllt, Wertschöpfungsketten unterstützt und natürliche Kreisläufe eingehalten werden.

Doch Ernährung beginnt nicht erst mit der Gabel, die zum Munde geführt wird. Entscheidend ist, sich bereits im Vorfeld Gedanken zu machen über
• die Herkunft (Erzeugung, Verarbeitung, Lieferung) und Verfügbarkeit (Region und Saison) von Lebensmitteln,
• die Händler (Prinzipien) und das Angebot (Sortiment und Jahreszeit),
• die Art und Weise der Beschaffung (Mobilitäts- und Einkaufsverhalten),
• die Art und Weise der Zubereitung (klimafreundlich Kochen) und
• die Verwendung von Speiseresten und Verpackungen (Ressourcen schonen und wieder nutzen).

Statt einer beherrschenden konventionellen Agrar- und Lebensmittelindustrie bedarf es einer klimafreundlichen, aber auch für Natur und Umwelt insgesamt nachhaltigeren Ernährung, die Artenschutz auf dem Acker, artgerechte Tierhaltung im Stall und auf der Weide, qualitativ hochwertigen Geschmack und Genuss, eine die Gesundheit fördernde und gentechnikfreie Erzeugungsweise, regionale Wertschöpfungsketten fördernde, zu fairen Preisen und für den Konsumenten transparente Bedingungen schafft.

Dies kann nur gelingen wenn es klare Vorfahrtsregeln gibt und die folgenden Handlungsgrundsätze eingehalten werden (mit Filmtipps):
1. Bio vor konventionell.
Vorsicht: Bio ist nicht gleich Bio! Durchblick im Siegelwald bewahren.

2. Regional vor national vor global
Ohne Nationalismus und Dogmatismus „Deutsche, esst deutsche Bananen“, aber mit Umsicht „Bio-Tomaten im Januar aus Spanien?“! Mehr Infos hier.

3. Saisonal (freier Himmel) vor Glashaus oder Folie
Wann esse ich was und wo(runter) ist es gewachsen? Mehr Infos hier.

4. Frisch vor fertig
Was, bitte schön, heißt hier frisch? Mehr Infos hier.

5. Pflanzlich vor tierisch
Weniger ist mehr? Mehr Pflanzen ist mehr! Infos hier (→ Nahrung für die Welt).

6. Unverpackt vor Plastikwahn
Kein Plastik mitessen!? Mehr Infos hier.

Im Maßnahmenteil werden wir detailliert auf die einzelnen Aspekte eingehen und konkrete Umsetzungsvorschläge machen, wie eine klimafreundliche und Umwelt und Natur schonenden Ernährung bereits heute möglich ist.
Weitere Informationen zum Umbau der Landwirtschaft hier.

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Beschaffung und Konsum – die versteckten CO2-Emissionen

Der direkte Energieverbrauch für Wärme und Strom lässt sich noch relativ leicht bestimmen, wie in den vorangegangenen Monaten zu sehen war.

In der Beschaffung von Gütern sind die CO2-Emissionen allerdings versteckt, da sie als indirekter Energieverbrauch für die Produktion und den Transport anfallen. Dieser Bereich wird gerne unterschätzt, was auch daran liegt, dass methodische Probleme bei der doch sehr komplexen Bilanzierung auftreten.

Private Haushalte konsumieren jährlich Produkte, die für die Erzeugung von etwa 2,5 Tonnen CO2 verantwortlich sind. Dies ist ein relativ großer Anteil der durchschnittlich 11 Tonnen pro Bundesbürger, der nur innerhalb enger Grenzen beeinflussbar ist. Kann man durch Wärme und Strom aus erneuerbaren Energieträgern seine CO2-Emissionen stark reduzieren, ist dies bei der Beschaffung von Produkten komplizierter. Es fallen nämlich auch CO2-Emissionen für Dienstleistungen und Produkte aus dem Bildungssektor, der gemeinsam genutzten Infrastruktur oder der Abfallentsorgung an, die der Einzelne nicht beeinflussen kann. Dies ist schon über 1 Tonne pro Bürger.

Die Beschaffungspolitik der Veolia Stiftung ist im Vergleich zum Konsum in Privathaushalten noch relativ überschaubar. Im Wesentlichen muss man sich die Anschaffungen von Büromöbeln und Büromaterialien sowie die Anschaffung von technischen Geräten anschauen. Gezielte Beispiele untersucht der nächste Beitrag.

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Wir sind kritischer Konsument

Die Veolia Stiftung hat als kleine Organisation keine explizit formulierte Beschaffungsrichtlinie. Wohl aber Einkaufsprinzipien. Wir verstehen uns als kritische Konsumenten und wissen: Mit unserer Nachfrage nehmen wir letztlich Einfluss auf das Angebot. Ganz bewusst möchten wir wirtschaftliche, umweltrelevante und soziale Aspekte bei der Auswahl unserer Lieferanten berücksichtigen. Was kaufen wir ein?

An Verbrauchsmaterialien sind das Briefpapier, Visitenkarten, Hefter. Ein Mal im Jahr drucken wir eine kleine Broschüre. Alles Drucksachen sind 100% Recyclingpapier. Ein paar Stifte zum eigenen Gebrauch – das war es schon.
Bis auf die Möbel verfügen wir nicht über langlebige Sachinvestitionen. In unserem konkreten Fall allerdings wurden diese vom Vermieter erworben und zur Verfügung gestellt. Bei einer eventuellen Erneuerung in ein paar Jahren würden wir genau auf die Herkunft, die verwendeten Materialien, die Langlebigkeit und mögliche Recyclingfähigkeit der Möbel achten.

Beim Catering von Veranstaltungen fragen wir stets regionale und vorwiegend vegetarische Speisen sowie wiederverwendbares Geschirr an und servieren nach Möglichkeit Trinkwasser aus der Leitung. Aus der Förderpraxis kennen wir viele gemeinnützige Caterer. Nur wenige Anbieter setzten allerdings auf regionale oder explizit klimaneutrale Angebote. Das bedeutet – immer wieder nachfragen und Kompromisse finden.
Das Thema Trinkwasser ist uns sehr wichtig, klar bei der Nähe zu Veolia Wasser. Die Argumente für gesundes Wasser aus der Leitung liegen auf der Hand: Klimafreundlich, weil es Energie spart und keine
Verpackung braucht. Wirtschaftlich, weil es nur ein Hundertstel von Flaschenwasser kostet. Wertvoll, weil es höchsten Qualitätsstandards entspricht und gesund ist.

Die Reinigung des Büros wird über einen Rahmenvertrag des Vermieters abgedeckt. Deshalb haben wir leider nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Auswahl der Reinigungsmittel und die sozialen Aspekte. Wir haben durch Gespräche mit unserer “Putzfee” aber schon bewirkt, dass weniger starke Produkte zur Reinigung verwendet werden.

Damit ist das Spektrum der Beschaffung für unsere Organisation schon abgebildet, die sicher dem Einkaufsverhalten vieler Gemeinnütziger ähnelt. Oder?

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